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Endoskopie

Endoskopie oder „Schlüsselloch-Chirurgie“ am Hirn

 

Definition

Technik welche Endoskope als Instrumente benützt: diese vereinigen eine Linsenoptik, einen Kamerasystem sowie eine Lichtquelle. Durch dieses Instrument können auc weitere Mikroinstrumente eingeführt werden, welche dann die Operationen auch in Hohlräume (wie das Hirnwasserkammersystem) oder in tief gelegenen Operationsgebiete (wie das Boden des Schädels) ermöglichen.

Die Bilder werden so auf einen Bildschirm in hoher Qualität übertragen.

 

Einsatzgebiete

 

1. Schädelbasisendoskopie

  • Hypophysentumoren

Die Hirnanhangdrüse, sog. Hypophyse, ist eine kleine Drüse in der Mitte der Schädelbasis und ist für die Steuerung der gesamten Hormonproduktion des Körpers zuständig. Gutartige Tumoren, mit oder ohne Hormonproduktion, können sich in dieser Drüse entwickeln.

Kleine Tumoren, sog. Mikroadenome (Bild unten links), werden meistens durch ihre Hormonproduktion bemerkbar,  während grössere Tumore (> 1cm Durchmesser), sog. Makroadenome (Bild unten rechts),   verdrängen Nachbarstrukturen; der Druck auf die normale Hypohpyse verursacht einen Hormonmangel, während der Druck auf den Sehnerv eine Gesichtsfeldeinschränkung, die sog. klassische „Scheuklappenblindheit“.

 

Mikro- und Makroadenom

Die Therapie wird von einem interdisziplinären Team geplant: dazu gehören Hormonspezialisten (Endokrinologe), Hals-Nasen-Ohren (HNO) Ärzte, Augenärzte, Neurochirurgen und Strahlentherapeuten.

Wenn eine medikamentöse Behandlung nicht möglich ist, soll der Tumor operativ angegangen werden.

Dank der Anwendung des Endoskops können die natürlichen Wege der Nase und der Nasennebenhöhlen als Zugang ausgenützt werden. Somit sind keine Hautschnitte notwendig. Zudem kann durch die Anwendung des Endoskops ein „Blick um die Ecke“ erreicht werden, was die Kontrolle der Tumorentfernung ausserhalb des direkten mikroskopischen Blickfeldes erlaubt. Die Qualität des Eingriffs wird durch eine enge Zusammenarbeit zwischen HNO-Spezialist und Neurochirurg gesichert.

Die Planung des Eingriffes erfolgt auf dem Navigationssystem, der während der Operation bei der anatomischen Orientierung unterstützt.

Die langfristige Betreuung wird durch die Endokrinologen geleitet, in Zusammenarbeit mit Neurochirurgen und Stahlentherapeuten.

Bilder aus einem MRI des Gehirnes von einem Patient mit einem grossen Tumor der Hypophyse (sog. Makroadenom). Ober vor der Operation, unten nach der Operation

Bilder aus einem MRI des Gehirnes von einem Patient mit einem grossen Tumor der Hypophyse (sog. Makroadenom). Ober vor der Operation, unten nach der Operation

  • Schädelbasismeningeome

Meningeome sind gutartige Tumore welche aus der Hirnhaut entstehen. Bis ein Drittel kann an der vorderen Schädelgrube entstehen. Falls sie nicht zu gross und mittellinennah lokalisiert sind können sie mit dem Endoskop durch die Nase entfernt werden. Dadurch können Hautschnitt, Schädeleröffnung sowie Manipulation von Hirngewebe vermieden werden.

 

Schädelbasismeningeome

2. Zerebrale Endoskopie

  • Wasserkopf (sog. Hydrozephalus)

Die klassische Behandlung des Wasserkops besteht darin, eine Verbindung zwischen Hirnwasserkammer und Bauchhöhle über einen unterhäutigen dünne Schlauch zur Ableitung des gestauten Nervenwassers herzustellen.

In ausgewählten Situationen kann die Implantation des Schlauchs vermieden werden und mit dem Endoskop einen Kurzschluss hergestellt werden. Dieses kann in Betracht gezogen werden zum Beispiel bei Hindernisse auf die Liquorabflusswege wie zum Beispiel bei Vernarbungen der Abflusswege, sei es angeboren oder nach Blutugen, und bei Tumoren oder Zysten innerhalb der Hinrwasserkammern. Bei dem Eingriff wird ein kleines Loch an der dritten, mittleren Hinrwasserkammer endoskopisch durchgeführt was eine interne Ableitung des gestauten Hirnwassers ermöglicht.

Um den optimalen Weg durch das Gehirn zu bestimmen wird die Neuronavigation (das „GPS“ für die Hirnchirurgie) mit dem Endoskop kombiniert.

Der entscheidende Vorteil für den Patient besteht darin, dass er keinen Fremdkörper mit den begleitenden Komplikationen benötigt.

 

Hydrocephalus

KLEINE BILDER: Die gelbe Linie zeigt auf dem Monitor den geplanten Weg des Endoskopes dank der Neuronavigation. GROSSE BILDER: Was man sieht im Hirnwasserkammersystem dank der Kamera des Endoskopes

  • Kolloidzysten

Kolloidzysten sind gutartige zystische Tumore mit gelartigem Inhalt welche am Dach der mittleren Hirnwasserkammer (sog. 3. Ventrikel) auftreten können und die Abflusswege blockieren können mit folgendem Wasserkopf. Auf Grund ihrer Lage innerhalb des Hirnwassersystems können diese Tumore, wenn nicht zu gross, rein endoskopisch angegangen werden. Dank der Anwendung des Endoskops kann dem Patienten einen grösseren Hautschnitt, eine Schädeleröffnung sowie eine Durchtrennung einer grösseren Fläche der Hirnrinde ausgespart werden.

 

Kolloidzyste

  • Intraventrikuläre Zysten

Zystische Bildungen innerhalb der Hirnwasserkammer können ebenso den Abfluss des Nervenwassers blockieren. Dank dem Endoskop kann ohne grössere Schädeleröffung die Wand dieser Zysten breit aufgemacht werden, was zu einem Zusammenfallen der Zyste führt und die Abflusswege somit befreit.

 

Intraventrikuläre Zyste

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4. Neurochirurgie Update 05.04.2018