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Neurochirurgie der peripheren Nerven

An unserer Klinik bieten wir im Gegensatz zu den anderen Neurochirurgischen Kliniken der Schweiz auch Operationen am peripheren Nervensystem an, zumeist handelt es sich um sogenannte "Engpasssyndrome", d.h. Nerveneinklemmungen an anatomischen Engstellen. Natürlich operieren wir auch Tumore der peripheren Nerven, können Nervenverletzungen versorgen und Nerventransplantationen vornehmen.

Engpasssyndrome peripherer Nerven und deren Management


Mechanischer Druck auf Nervenfasern führt über längere Zeit zu Schmerzen im Verlauf eines Nerven jenseits der Einklemmungsstelle, im fortgeschrittenen Fall auch zu Taubheitsgefühl und/oder einer Schwäche der versorgten Muskulatur, also zu Lähmungserscheinungen. Nicht selten ist der Grund für eben genannte Nervenschädigung ein peripheres Engpasssyndrom, das man operativ beheben kann.

Wir stellen im Folgenden die häufigsten Krankheitsbilder, die an unserer Klinik behandelt werden, und deren Operationstechnik vor.

Wie stellt man die Diagnose eines Engpasssyndroms?

Neben einer sorgfältigen Befragung des Patienten über Art und Lokalisation der Beschwerden gibt die klinische Untersuchung, bei der nach Ausfallserscheinungen wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen gesucht wird, entscheidende Hinweise darauf, welcher Nerv eingeklemmt und evtl. bereits geschädigt ist. Zur weiteren Abklärung sind elektrische Untersuchungen der Muskelaktivität (Elektromyogramm = EMG) und der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) erforderlich. In einzelnen Fällen, z.B. bei der Verdachtsdiagnose eines Tumors ist auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig.

Was kann man dagegen tun?

Die meisten Patienten werden zunächst "konservativ" behandelt, d.h. mit Schmerzmedikamenten, Physiotherapie und Ruhigstellung. Auch können lokale Infiltrationen, d.h. Injektionen mit örtlichen Betäubungsmitteln durchgeführt werden.

Eine operative Behandlung wird dann notwendig, wenn sich die Beschwerden nicht bessern oder wenn bereits Lähmungserscheinungen, manchmal sogar Muskelschwund bestehen.

Die Operation besteht stets in einer Freilegung des betroffenen Nerven am Ort seiner Einklemmung, manchmal ist auch eine Verlagerung in das Unterhautfettgewebe nötig.

Wie ist die Prognose?

Reizerscheinungen des betroffenen Nerven, wie Schmerzen und Ameisenlaufen sind meistens unmittelbar nach der Operation sehr gebessert und verschwinden normalerweise im Verlauf ganz. Liegen bereits Lähmungen oder ein Schwund der Muskulatur vor, so ist der Erholungsprozess langwierig. Hier ist eine gute und regelmässige Physiotherapie notwendig.

Engpasssyndrome der oberen Extremität

1. Carpaltunnelsyndrom

Es handelt sich um eine Einklemmung des Nervus medianus an der Innenseite des Handgelenks. Der Nerv verläuft hier zusammen mit den Beugesehnen in einer Rinne, die aus den Handwurzelknochen gebildet und von einem sehnigem Band, dem Retinaculum flexorum, überdeckt wird.

Zu einer Nerveneinengung kann es u.a. durch Verletzungen, Überlastung, Sehnenentzündungen, Störungen des Hormonhaushaltes und auch in der Schwangerschaft kommen.

Typischerweise treten nächtliche Schmerzen und Ameisenlaufen im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfinger auf, "die Hand schläft nachts ein", weitere typische Auslöser sind Auto- oder Motorradfahren. Ausschütteln der Hand bessert die Symptome. Auch sind Störungen der Feinmotorik möglich, sowie ein Pelzigkeitsgefühl.

Die Operation wird bei uns ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt, dabei wird das Retinaculum flexorum durchtrennt.

In über 90% der Fälle kommt es postoperativ zu einer sofortigen Besserung der Symptome.

Carpaltunnelsyndrom

2. Sulcus-ulnaris-Syndrom ("Kubitaltunnelsyndrom")

Es handelt sich um eine Einklemmung des Nervus ulnaris im Ellbogenbereich.

Der Nerv verläuft hier in einer oberflächlichen Knochenrinne, die nur von wenig Bindegewebe geschützt ist. Diese Region ist besonders anfällig für Druck und mechanische Reizung und hat daher Namen "Musikantenknochen" erhalten.

Symptome: Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln von Ring- und Kleinfinger sowie Schmerzen beim Aufstützen des Ellbogens. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Lähmungen der kleinen Handmuskeln bis hin zum Muskelschwund. Klein- und benachbarte Finger geraten in eine Beugestellung und das Spreizen der Finger ist erschwert (Klauen- bzw. Krallenhand).

Die operative Behandlung besteht in einer Freilegung bzw. Verlagerung des Nervus ulnaris am Ellbogen, manchmal ist eine Verlagerung in das Unterhautfettgewebe notwendig.

Hand
Sulcus-ulnaris-Syndrom ("Kubitaltunnelsyndrom")
Arm

Engpasssyndrome der unteren Extremität

1. Meralgia parästhetica ("Inguinaltunnelsyndrom")

Betroffen ist der Nervus cutaneus femoris lateralis auf deutsch der "seitliche Oberschenkelhautnerv", der am oberen Beckenkamm durch das Leistenband tritt und einen umschriebenen Bereich der Haut am der Oberschenkel sensibel versorgt. Eine Einengung des Nerven am Leistenband führt zu brennenden Schmerzen oder Missempfindungen, manchmal auch zu einem Taubheitsgefühl am Oberschenkel. Die Beschwerden treten nach deutlicher Gewichtszunahme, Tragen von zu engen Gürteln oder auch nach Operationen an der Leiste auf. Zur Schmerzverstärkung führt typischerweise die aufrechte Körperhaltung, da dann der Nerv gestreckt und im Leistenbandbereich gereizt wird.

Die Operation besteht in einer Freilegung des Nerven in der Leiste und einer teilweisen Spaltung des Leistenbandes, nur sehr selten ist eine Nerven-durchtrennung notwendig.

1. Meralgia parästhetica ("Inguinaltunnelsyndrom")
1. Meralgia parästhetica ("Inguinaltunnelsyndrom")

2. Tarsaltunnelsyndrom

Es handelt sich um eine Kompression der Nervus tibialis unterhalb des Innenknöchels. Der Nerv verläuft von dort aus in Richtung Fusssohle, bei einer Einklemmung kann es zu brennenden Schmerzen unter der Sohle kommen, weiterhin zu einem Taubheitsgefühl oder der Unfähigkeit, die Zehen zu beugen und zu spreizen. Als Ursache kommen unter anderem Innenbandverletzungen des Sprunggelenkes oder Innenknöchelbrüche in Frage.

Über einen bogenförmigen Hautschnitt unterhalb des Innenknöchels kann der Nerv operativ freigelegt und so die Beschwerden recht schnell gebessert werden.

2. Tarsaltunnelsyndrom
2. Tarsaltunnelsyndrom

3. Morton - Neuralgie (Syn. "Metatarsalgie")

Die Ursache ist eine Verdickung (sog. Neurom) oder Einklemmung des Zehennerven zwischen den Köpfchen der Mittelfussknochen. Auftreten meistens zwischen dem III. und IV. Zeh, seltener zwischen II und III, die Beschwerden werden oft als Spreizfussproblem verkannt.

Die Symptome bestehen in belastungsabhängigen, meist blitzartigen Schmerzen im Vorfuss mit Ausstrahlung in die mittleren Zehen, besonders beim Tragen enger Schuhe mit Druckschmerzen in diesem Bereich.

Bei der Operation wird vom Fussrücken aus zwischen den beteiligten Zehen der beiteiligte Nervenanteil entfernt, um so die Schmerzen rasch zu lindern.

3. Morton - Neuralgie (Syn. "Metatarsalgie")
3. Morton - Neuralgie (Syn. "Metatarsalgie")

4. Fibulartunnel-Syndrom (Syn. Peronaeus-Läsion)

Die Ursache ist eine Kompression des Nerven am Wadenbeinköpfchen an der Knieaussenseite, ausgelöst z.B. durch langes Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen bei sehr schlanken Patienten, durch Brüche des Wadenbeinköpfchens oder zu enge Gipsverbände. Es tritt kann neben Schmerzen bis zum Fussrücken eine ausgeprägte Fussheberlähmung auftreten, die zum Stolpern führt, sowie eine Gefühlsstörung zwischen den Zehen I und II.

Bei der Operation wird der Nerv vom Wadenbeinköpfchen aus bis zur Kniekehle freigelegt, oft zeigen sich dabei narbige Verwachsungen, die gelöst werden müssen.

4. Fibulartunnel-Syndrom (Syn. Peronaeus-Läsion)

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